Cosplay Perücken können ziemlich ins Geld gehen und es gibt nur wenige Shops in Deutschland wo man sich sicher sein kann, auch eine dichte Perücke zu bekommen. In diesem Tutorial zeige ich dir, wie du eine Cosplay Perücke selber machst, zumindest fast.
Diese Technik eignet sich super um zwei sehr günstige zu einer sehr dicken Perücke zu machen oder einfach farbige Akzente zu setzen. Sie funktioniert mit jeder üblichen Perücke und lässt sich schnell und günstig umsetzen.

Mir ist es in meinen 10 Jahre Cosplay schon oft untergekommen: Ich habe ausnahmsweise mal 25 oder 30€ für eine Perücke bezahlt, damit sie schön dicht ist. Was ankam war dann eher ein Flop. Genauso dünn und durchsichtig, wie das Modell für 11€ auch gewesen wäre.
Das ist der Grund warum ich inzwischen dazu übergegangen bin, mir die Mehrarbeit zu machen und Perücken ineinander zu nähen. Hierbei trennt man die Tressen, also die einzelnen Stränge einer Perücke, aus der einen heraus und näht sie in eine andere ein.

Aber von vorne!

Was Du brauchst:

Was du brauchst um Cosplay Perücken ineinander zu nähen
  • Perückenkopf
  • Tischhalterung
  • Perücken oder lose Tressen
  • Schere
  • Farblich passendes Garn
  • Nahtauftrenner
  • Stecknadeln
  • Haarklammern, Haarklemmen
  • Kamm, Bürste
  • Runde Polsternadel oder normale Nähnadel

Ich hab die blonden Perücken für je 10,70€ gekauft, gedacht ist das Ergebnis für mein den Charakter Tori aus Barbie: Die Prinzessin und der Popstar. Neben einer schönen, dichten lockigen Perücke möchte ich auch an den Schläfen noch Tressen einnähen, damit die Frisur des Charakters möglich ist. Auch das lässt sich mit dieser Technik problemlos umsetzen.
Wenn du keine zwei Perücken der gleichen Art kaufen möchtest, kannst du natürlich auch farblich passende Tressen kaufen. Je nach Farbton ist es aber schwer, exakt dieselbe Farbe zu bekommen – und am Ende ist es gerade bei günstigen Wigs auch teurer als einfach zwei fertige Perücken zu kaufen.

Tressen aus der Perücke heraustrennen

Du hast dich also dafür entschieden eine Perücke zu zerlegen. Solltest du bereits lose Tressen haben, kannst du diesen Schritt überspringen.

Eine Tresse aus einer Perücke heraus trennen

Erstmal setzt du deine Perücke auf den Perückenkopf, das muss an dieser Stelle noch gar nicht ordentlich sein, da wir die Perücke ja eh zerlegen. Am einfachsten geht es, wenn du auch einen Tischhalter dazu benutzt, damit der Kopf nicht ständig umkippt.
Du steckst die Wig also mit Nadeln fest, dann beginnst du die Haare wegzustecken. Tressen sind meistens linear in Perücken genäht und werden zur Stirn hin enger. Je nach Art des Scheitels, laufen sie dann spiralförmig zu oder haben in der Mitte ein sogenanntes Skintop, ein Kopfhautimitat in das Haare besonders realistisch eingearbeitet sind. So wie es bei meiner blonden Wig der Fall ist. Dieses habe ich also weggeklemmt und habe dann begonnen, mit einem Nahtauftrenner die Fäden, mit denen die Tresse an das Haarnetz genäht ist, aufzutrennen.
Hierbei ist es einfacher, von oben nach unten zu arbeiten.

Aus einer Perücke herausgetrennte Tressen

Wichtig ist, dass du die Tressen ordentlich zur Seite legst oder sogar aufhängst, damit sie nicht verfilzen. Ich sortiere meine Tressen hierbei immer grob nach der Breite und klammere sie zusammen.
Am einfachsten ist das ohnehin mit einer glatten Perücke, wenn du noch Anfänger in dieser Technik bist solltest du eine lockige Perücke vorher glätten.

Preiswerte, kurze Tresse links; qualitative, lange Tresse rechts

Nice to know: Sind in deiner Perücke viele, kurze Tressen (links auf dem Bild) verarbeitet, handelt es sich um ein eher billiges Modell. Diese Tressen sind günstiger in der Herstellung und werden genutzt um das Netz bei nicht allzu dichten Perücken zu verdecken.
Hast du viele, kurze Tressen in deiner langen Perücke, ist es kein Wunder, dass sie nicht dicht genug ist.

Möchtest du keine komplette Cosplay Wig in der richtigen Farbe kaufen, sind Clip in Strähnchen eine tolle Alternative. Diese bekommt man im Internet oder im 1€-Laden. Hier entfernst du einfach den Clip, öffnest die Strähne und schon hast du eine Tresse, die du spurlos in deine Perücke einnähen kannst.

Tressen wieder in die Perücke einnähen

Nun ist es wichtig, dass du deine finale Perücke ordentlich und straff auf dem Styroporkopf befestigst. Nutze hierfür lieber eine Nadel zu viel als zu wenig und achte wirklich darauf, dass das Netz straff auf dem Kopf sitzt, egal ob es geschlossen ist oder offen.
Am besten suchst du nun im offenen Zustand, die Stellen, wo man besonders viel Netz durchsieht, also die Perücke zu dünn ist. Du teilst die Haare ab, steckst sie hoch und pinnst die Tresse straff mit Stecknadeln, mittig in der Lücke fest.

Nun wird die Tresse mit farblich passendem Garn an das Netz genäht. Bei einem geschlossenen Netz (blonde Perrücke) nähst du einfach durchgehend, wie man es bei einer normalen Handnaht tut. Wer besonders sorgfältig arbeiten möchte, näht auch wieder zurück und schließt die Naht damit. Ein Durchgang wie im Bild mit der blonden Perücke reicht allerdings auch aus. Wichtig ist nur, dass du nicht zu große Stiche setzt, denn sonst kannst du später beim Kämmen der Wig an den Fäden hängen bleiben.
Hat deine Perücke ein hochwertigeres, offenes Netz (Beispiel in schwarz) reicht es, die Tresse an den Gummibändern anzunähen, dazwischen ist nicht nötig. Um auch hier zu verhindern, dass du beim kämmen hängen bleibst, beendest du die Naht an jedem Gummiband. Zum einnähen benutzt du hier einfach schräge Stiche oder kleine Kreuze, damit die Bänder elastisch bleiben und nichts reißt, wenn du die Wig später trägst.

Tipps & Tricks

Cosplay: Disneys Merida
Merida – Brave, Legende der Highlands – Photo instagram.com/il_carnefice

Je nachdem wie dicht du deine Perücke am Ende haben möchtest, nähst du so viele Tressen wie du möchtest ein. Man kann natürlich auch mehr als nur zwei Perücken ineinander nähen. Für mein Merida Cosplay habe ich zum Beispiel ganze drei orange Basis-Perücken ineinander gearbeitet und zusätzlich aus drei weiteren Perücken, farbige Highlights gesetzt.
Ich nutze diese Technik inzwischen bei fast jeder Perücke, da sie am Ende einfach viel günstiger ist und man sicher sein kann, dass die Perücke auch so dick ist wie man sie möchte.

Außerdem hilft diese Technik auch, wie zu Anfang erwähnt, wenn kleine Anpassungen für ein Styling vorgenommen werden sollen. Bei Tori ging es mir hierbei um geflochtene Zöpfe die von den Schläfen aus zum Hinterkopf gehen. Ich wollte nicht extra eine Lacefront Perücke benutzen, daher habe ich schmalere Tressen von innen hinter die Seiten des Perückennetzes genäht. So kann man die besagten Haare nach hinten frisieren, ohne das Netz der Perücke durch zu sehen.

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